Das KZ-Außenlager nebenan (2. Teil)

Gespannte Erwartung, vorschriftsmäßig maskiert
Die Bezirksamtsleiterin, Frau Fredenhagen,
im Gespräch mit Hanno Billerbeck (Initiative Gedenken in Harburg)
Ansprache von Frau Fredenhagen
Die Enthüllung
Geschafft! Das Hinweisschild ist endlich sichtbar.
...und so sieht es aus
Zum Abschluss gab Pastor Hanno Billerbeck seiner Freude Ausdruck darüber, dass Schüler*innen mit viel Einsatz - auch in ihrer Freizeit - mit einem solchen Projekt wertvolle Erinnerungsarbeit geleistet haben.
 

Am 19. November sollten die Schüler*innen des Gymnasium Süderelbe den Stand ihres Projektes vorstellen (s. auch unter 9.11.)
Leider fiel auch diese Veranstaltung Covid-19 zum Opfer. Aber einen kleinen Höhepunkt gab es doch: Teil des Projektes  war es, ein
Hinweisschild auf die Gedenkstätte an der Ecke Cuxhavener Straße/Falkenbergsweg anzubringen. Das gelang mit Hilfe des Bezirksamtes und der Bezirksversammlung, und so konnte dieses Schild am 19.11. von der Bezirksamtsleiterin Frau Fredenhagen feierlich enthüllt werden.

Das war gleichzeitig die letzte Veranstaltung der diesjährigen Harburger Gedenktage. Unser Dank gilt allen, die mit viel Einsatz diese Gedenktage vorbereitet haben. Auch wenn nur ein ganz kleiner Teil der Planung realisiert werden konnte, werden wir uns auch im kommenden Jahr wieder auf die Vorbereitung der Gedenktage begeben.

einige Veranstaltungen konnten wenigstens online stattfinden

ein screenshot zeigt einige Teilnehmer am Online-Seminar "Argumentationstraining mit Gregor Schulz", das am 16.11. von 18.30 bis 21.30 stattfand.

Eine gewisse Scheu vor dem neuen Medium (Zoom) und/oder nicht ausreichendes technisches Equipment war wohl der Grund, dass sich nicht mehr als 70 Personen an den beiden Veranstaltungen beteiligten. Aber auch, wenn diese Form der Veranstaltung eine Präsenz-Veranstaltung nie vollständig ersetzen kann, waren die Teilnehmer letztlich sehr angetan davon, dass - trotz einiger Startschwierigkeiten - eine Menge Informationen vermittelt werden konnten.

Auch am 10. November mussten wir das geplante Programm ändern.

Wegen der Covid-19 Beschränkungen konnte die Gedenkveranstaltung am Jüdischen Friedhof nicht stattfinden. Daher entfiel auch der anschließende Schweigemarsch zum Synagogenmahnmal. Dort trafen sich jedoch Mitglieder der Initiative Gedenken in Harburg, die Pröbstin Frau Decke und Wolfgang Brandt vom DGB, die Blumengestecke vom Bezirksamt, von der Bezirksversammlung, vom DGB und von der Initiative Gedenken niederzulegen.
Für das Gruppenfoto mussten die Hygiene-Vorschriften ganz kurz außer Kraft gesetzt werden.
Foto: Niels Kreller - besser-im-blick

Das KZ-Außenlager nebenan - Gedenken an 500 jüdische Frauen

Im Vorgriff auf den - digital - am 19. November geplanten Vortrag über die Aktivitäten von Schüler*innen des Gymnasium Süderelbe konnte schon der erste Erfolg gefeiert werden: am 9. November wurde die selbst gestaltete Stele am Falkenbergsweg enthüllt.
Die Info-Platte auf der Gedenkstele
 

Die Harburger Gedenktage 2020 in Zeiten von Covid-19

Die erste von möglicherweise nur wenigen Veranstaltungen fand am 29. Oktober in der Bücherhalle Harburg statt.

Unter sorgfältiger Beachtung aller Hygienevorschriften wurde  zum Auftakt der  Ausstellung "Die Kinder vom Bullenhuser Damm" der Dokumentarfilm

Das Tribunal - Mord am Bullenhuser Damm BRD 1986 - Regie Lea Rosh

gezeigt. 
"1986 versuchten Juristen aus verschiedenen Ländern unter dem Vorsitz des ehemaligen Verfassungsrichters Martin Hirsch aufzuklären, warum einer der Hauptverdächtigen für den Kindermord, Arnold Strippel, nicht vor Gericht gestellt wurde. An dem Fall wurde der Umgang der bundesdeutschen Justiz mit Naziverbrechen deutlich."

21 Zuschauer (die vorher ordnungsgemäß ihre Kontaktdaten hinterlassen hatten) verfolgten gebannt und empört, mit welchen abenteuerlichen Begründungen die deutsche Nachkriegsjustiz einen Massenmörder vor der Verurteilung bewahrte.

 

Am 25.07. war es endlich soweit - die restlichen Stolpersteine sollten verlegt werden

Herr Bernd Schümann hatte sich bereit erklärt, die restlichen Steine zu verlegen. Bereits um kurz nach 9.00 Uhr traf er in der Reinholdstraße ein.

Die junge Patin wartete schon ungeduldig. Schließlich ist es fast zwei Jahre her, dass sie ihr selbst verdientes Geld für den Stolperstein 'geopfert' hat.
unsere kleine Patin kann endlich die mitgebrachte Kerze anzünden
Der Stolperstein für Margarete Bubik, die mit 21 Jahren in der 'Heilanstalt' Ilten ermordet wurde

Im Beisein der Patin Irene Knappe wurde auch Ecke Moorstr./Wilstorfer Str. der Stolperstein für Erika Piepenbrink verlegt. Auch sie war ein Opfer des NS-Euthanasieprogramms


Der Stolperstein für Erika Piepenbrink

Schließlich wurde in der Bremer Straße noch der Gedenkstein für Günther Driewer verlegt, auch er war ein Euthanasieopfer

Dann konnte Bernd Schümann uns ein erleichtertes Lächeln nach getaner Arbeit gönnen.
Wir danken ihm herzlich für die gute Zusammenarbeit



 

Am 26.06.2020 war Gunter Demnig wieder in Harburg

Vorgesehen war, 8 Stolpersteine zu verlegen. Aber die Hitze und die massiven Harburger Gehwegplatten zwangen zu einer Änderung des Programms. Die Steine für Margarete Bubik, Günther Driewer und Erika Piepenbrink hat Gunter Demnig nicht mehr geschafft. Diese Steine sind in der Obhut der Initiative Gedenken in Harburg und werden für eine spätere Verlegung bereitgehalten.

Die Paten werden rechtzeitig über den neuen Termin informiert.

Großartige Geste der Harburger Kulturwerkstatt.

Sie ließen sich auf einen Wettkampf ein: Die „KulturWerkstatt Harburg“, die „Initiative Gedenken in Harburg-“ und das „electrum - Das Museum der Elektrizität“. Sie wollten wissen, welcher dieser Vereine der beliebteste in Harburg ist. Jeder Verein stellte seine Arbeit den Besuchern der Harburger Filiale der Harburger Sparkasse vor. Die Haspa stiftete das Preisgeld von 1000 Euro und die Kunden durften entscheiden.

Das Ergebnis war knapp. Gewonnen hat der Verein „KulturWerkstatt Harburg“. Beliebt bei den Harburgern sind aber offenbar alle drei Vereine.

Deshalb hat sich die „KulturWerkstatt Harburg“ entschlossen, das Preisgeld mit der „Initiative Gedenken in Harburg-“ und dem „electrum-Das Museum der Elektrizität“ zu teilen. Für diese großartige Geste bedankten sich die Vertreter dieser Vereine und man beschloss spontan, sich bei künftigen Aktivitäten gegenseitig zu unterstützen.

Die Harburger Kultur rückt zusammen.

Harburger Gedenktage 2019

Die Harburger Gedenktage 2019 wurden am 29.Oktober eröffnet.

Wegen der gleichzeitig stattfindenden Sitzung der Bezirksversammlung mussten wir diesmal in den Mehrzwecksaal des SDZ ausweichen

Klaus Barnick, Sprecher der Initiative Gedenken in Harburg, eröffnete die Veranstaltung
Das Streichquartett des FEG spielte zur Einstimmung das "Divertimento für Streichmusik" von Erwin Schulhoff sehr gekonnt und gefühlvoll
Das Streichquartett des FEG spielte zur Einstimmung das "Divertimento für Streichmusik" von Erwin Schulhoff sehr gekonnt und gefühlvoll
Die Bezirksamtsleiterin, Frau Fredenhagen, freute sich in ihrem Grußwort über die rege Beteiligung der Harburger Institutionen

Frau Fredenhagen, die Leiterin des Harburger Bezirksamts, zeigte sich in ihrem Grußwort erfreut über die rege Beteiligung durch die Harburger Institutionen

Anschließend stellten Vertreter*innen der beteiligten Schulen und Kultureinrichtungen ihre Programmbeiträge vor.

In szenischen Darstellungen setzten sich Schülerinnen und Schüler des AvH eindrucksvoll mit den Themen Ausgrenzung und Gewalt auseinander

Ebenfalls am 29.10. wurde im Treppenhaus des historischen Harburger Rathauses eine Ausstellung des Julius-Leber-Forums der Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnet. Sie trug den Titel "Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen" und zeigte auf 16 Tafeln mit Zeitungsausschnitten und Kommentaren auf, welche Gefahren von Rechtsextremismus und Rechtspopulismus ausgehen.

Am 3.11. versammelten sich 34 Interessierte in der Hölertwiete, um die Begrüßung und die Erläuterungen durch Klaus Barnick zu hören. Diese Zahl erhöhte sich durch Nachzügler noch auf über 40. Es waren erfreulich viele Jüngere dabei, die an drei Stolpersteinrundgängen mit unterschiedlichen Routen teilnahmen. Dieses Format hat sich bewährt und sollte beibehalten werden.

Am 4.11. wurden in der Sauerkrautfabrik Texte von Hans-Joachim Meyer - ehemals Mitglied der Initiative Gedenken in Harburg - aus seinen Büchern "Rote Fahnen über Harburg" und "Demokratie in kurzen Hosen" verlesen. Rund 30 Interessierte waren der Einladung gefolgt.

Gleichzeitig konnte im Infoladen der Sauerkrautfabrik noch die kleine aber sehenswerte Ausstellung über "Frauen im Widerstand" besucht werden. Diese Ausstellung ist noch bis Ende November jeweils Dienstags und Donnerstags ab 20 Uhr zu sehen.

Christiane Richers las am 5.11. unter dem Motto "Spiel Zigeunistan" aus Aufzeichnungen zweier Hamburger Sinti über deren zwiespältige Identitäten, Gefühle und Vorstellungen von "Heimat". Kako Weiss spielte dazu sehr einfühlsam auf dem Saxophon Stücke aus verschiedenen Kulturkreisen und Stilrichtungen. 25 Personen folgten in der Harburger Bücherhalle fasziniert dieser musikalischen Lesung.

Mitglieder und Freunde des Weltladen Harburg präsentierten am 6.11. Berichte über die koloniale Vergangenheit Harburgs und die heute noch sichtbaren "Denkmäler" aus dieser Zeit und schlugen einen Bogen zum heutigen globalen Handel mit seinen Auswirkungen auf die Betroffenen in den Ursprungsländern.
Etwa 50 Besucher*innen sorgten für einen voll besetzten Saal im Haus der Kirche.

Am Stolperstein von Hella Beer - ehemals Schülerin an dieser Schule - fand am 7. 11. in der Goethe Schule Harburg eine Gedenkveranstaltung statt. Schüler*innen der 8mu hatten das Schicksal von Hella Beer recherchiert und die Verlegung eines Stolpersteins vor ihrer Schule initiiert. Im Anschluss an die Gedenkfeier gingen 30 Schüler und 12 Erwachsene den Schulweg nach, den Hella zu ihrem Elternhaus in der Julius-Ludowieg-Str.48 zurückzulegen hatte.

Die Verlegung dieses Stolpersteins im Mai 2019 wurde in einem Video festgehalten, das auf dieser Website unter "Stolpersteine" unten rechts aufgerufen werden kann.

Ebenfalls in der Goethe Schule Harburg las am gleichen Tag Eva Simon aus ihrem Buch "Kindheit im Dritten Reich".

Der 9.November war Anlass für die Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg|Hafen, zu einem Stolpersteinrundgang einzuladen. Bis zu 50 Personen folgten der "Roten Linie", die durch Schüler*innen des Helmut-Schmidt-Gymnasiums quer durch Wilhelmsburg von Stolperstein zu Stolperstein markiert worden war, und ließen sich über die Schicksale der NS-Opfer informieren. Der bekannte Wilhelmsburger Künstler Lutz Cassel brachte an den verschiedenen Stationen (vornehmlich jiddische) Lieder zu Gehör.

Foto: Hédi Bouden

Ebenfalls am 9.11. kündigte Hédi Bouden, Kulturbeauftragter und Theaterfachleitung am Helmut-Schmidt-Gymnasium, um 18.00 Uhr eine "Performance" an, die er mit 50(!) Schüler*innen dieser Schule einstudiert hatte. Das jüdische Leben vor und nach den Nürnberger Rassegesetzen - die in deutscher und türkischer Sprache verlesen wurden - wurde in szenischen Darstellungen  vermittelt. Hier hatten sich weit über hundert Zuschauer versammelt, die sehr beeindruckt waren. Viele folgten dem Pfad zu den verschiedenen Lichtinstallationen, die unter dem Motto "Wilhelmsburg leuchtet" nahe den Stolpersteinen angebracht worden waren.
Alle Fotos zu diesem Bericht wurden von Hédi Bouden zur Verfügung gestellt.

Ein Video dazu ist unter https://youtu.be/E8Br9efaEnk aufzurufen.

 

Die Harburger Gedenktage finden alljährlich rund um den 10. November statt.
Dieses Mal versammelten sich rund 80 Teilnehmer auf dem Jüdischen Friedhof, um die Gedenkansprachen der Pröbstin Carolyn Decke und der Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen zu hören. Mit bewegenden Worten beschworen sie, die Vergangenheit nicht zu vergessen, sondern daraus für die Zukunft zu lernen. Wie schon bei Veranstaltungen der letzten Tage wurde auch hier wieder an die schrecklichen Ereignisse in Halle und anderswo erinnert und gefordert, diese Entwicklung nicht einfach hinzunehmen, sondern ihr mutig zu begegnen.

Die Gedenkrede von Frau Fredenhagen im Wortlaut hier

Fast alle nahmen am anschließenden Schweigemarsch zu Synagogen-Mahnmal teil, wo der Vorsitzende der Harburger Bezirksversammlung, Jürgen Heimath, seinen Beitrag zu diesem Gedenktag verlas. Er warnte vor allem vor der Gefahr, die im kritiklosen Hinnehmen des Satzes "was man doch wohl mal sagen dürfe..." steckt.
Als der Sprecher der Initiative Gedenken in Harburg, Klaus Barnick, aus der "Frankfurter Zeitung" von 1929 einen Artikel über die Gefahr nationalsozialistischer Tendenzen verlas, wurden allen Zuhörern die erschreckenden Parallelen zur jüngsten politischen Entwicklung deutlich.

Anschließend wurden im Mahnmal Gedenkgestecke vom Bezirksamt, der Bezirksversammlung, der Initiative Gedenken in Harburg sowie der Linken-Fraktion in der Bezirksversammlung Harburg niedergelegt.

Die Initiatorinnen der Ausstellung  "Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen" des Julius-Leber-Forums, die vom 29.10. bis 13.11. im Harburger Rathaus zu sehen war, hatten anschließend zum Kaffee ins Herbert-Wehner-Haus eingeladen.
Das wurde von vielen Teilnehmern gern angenommen - nicht nur wegen der Novemberkälte. So konnten noch viele vertiefende und interessante Gespräche geführt werden.

Leider konnte es nicht vermieden werden, dass am 13.11. gleich drei Veranstaltungen stattfanden: in der Oberschule Neu Wulmstorf, in der Fischhalle Harburg und in der Bücherhalle Harburg

Schüler*innen der Oberschule Neu Wulmstorf haben für eine Ausstellung recherchiert, was in Neu Wulmstorf während des Krieges und danach geschah. Im Mittelpunkt stand dabei der Lynchmord an einem amerikanischen Flieger, der mit dem Fallschirm im Moor nördlich des Dorfes gelandet war und von Einwohnern erschossen wurde.

Nach der Präsentation der Ausstellung ging man noch gemeinsam zum Moor, um des Opfers zu gedenken.

Ebenfalls am 13. November veranstaltete die Geschichtswerkstatt Harburg in der Fischhalle einen Vortragsabend über das Schicksal der Zwangsarbeiter während der NS-Zeit, allgemein und auch mit Harburgbezug (In Harburg gab es über 100 Zwangsarbeiterlager.). Die Referenten Günther Wincierz und Klaus Barnick informierten über deren Lage und beleuchteten an Hand von Zeitzeugenberichten die Lebensumstände, vor allem die der Ostarbeiter.

Hingewiesen wurden zum Schluss auch auf die weltweite Verbreitung von Zwangsarbeit heute.

Ca. 70 Personen verfolgten interessiert die Ausführungen.

Dagmar Fohl las - moderiert vom NDR-Redakteur Jürgen Deppe - aus ihrem neuen Roman "Frieda", in dem Leben und Schicksal der Elfriede Lohse-Wächtler beschrieben wird. Man merkte ihrer engagierten Vorstellung - sogar mit Gesangseinlage - an, wie sehr sie sich in die von den Nazis ermordete Künstlerin hineingedacht hat. So konnte sie auch noch etliche Fragen aus dem Publikum beantworten.
Ein bewegender und interessanter Abend!
 

Am 14.11. war im Friedrich-Ebert-Gymnasium Dr. Olaf Kistenmacher zu Gast. Er referierte über  das Thema "Antisemitismus - ein aktuelles Problem" und musste dabei den Spagat machen zwischen den 20 Schülern mit geringen Vorkenntnissen und den 30 erwachsenen Besuchern, die sich zum Teil schon sehr lange mit dem Thema befasst hatten. Nach seinem Referat stand er noch für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.

Am 16. 11. fand eine Busexkursion zur Gedenkstätte STALAG Sandbostel statt. Dr. Lars Hellwinkel beeindruckte die Teilnehmer mit seinem profunden Wissen über die Geschichte des Lagers und die Todesmärsche vom KZ Neuengamme nach Sandbostel im April 1945. Beim anschließenden Rundgang über das weitläufige Lagergelände und den ehemaligen Lagerfriedhof war der Dauerregen unangenehm. Trotzdem waren sich alle einig, dass es eine lohnende und interessante Veranstaltung war.

23 Interessierte hatten sich am 17.11. pünktlich vor dem Helms-Museum versammelt, um an der Führung über den Jüdischen Friedhof teilzunehmen. Wegen eines Missverständnisses war jedoch die Veranstalterin nicht gekommen (sie will den Termin am 24.11. nachholen). Die meisten der Anwesenden gingen dann "auf eigene Faust" zum Friedhof, wo Mitglieder der Initiative Gedenken in Harburg und der Geschichtswerkstatt Harburg einige Informationen über den Jüdischen Friedhof vermitteln konnten.

Die ursprünglich für den 8. November geplante Veranstaltung "Was geht mich das an?" musste verschoben werden, da der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky an diesem Tag (Freitag - Sabbat) nicht hätte kommen können. Aber am 18. war er da, um zusammen mit dem Imam Abu Ahmed Jakobi, einigen Vertretern politischer Parteien und rund 80 weiteren Besuchern an der Podiumsdiskussion teilzunehmen. Zwischendurch zeigte die Theatergruppe des Gymnasiums Auszüge aus dem Stück "Why should I care?", das sie zusammen mit israelischen Jugendlichen erarbeitet hat.

Lutz Cassel brachte wieder einige Jiddische Lieder zu Gehör und sang zum Schluß mit (fast) allen Anwesenden das Lied von den "Moorsoldaten".

Charlotte Salomon war eine begabte Malerin und stammte aus einer jüdischen Familie. Sie wurde 1943 nach einem kurzen bewegten und bewegenden Leben in Auschwitz-Birkenau ermordet.

Fritz Gärmer, Mitglied der Initiative Gedenken in Harburg, las auf seine unnachahmliche Art biographische Skizzen von und über sie. Der Raum im Herbert-Wehner-Haus, in dem die Lesereihe auf dem "Roten Sessel" stattfindet, war mit  über 30 Besuchern bis auf den letzten Platz besetzt.

"Fritz Bauer oder Auschwitz vor Gericht" war das Thema einer Veranstaltung im Harburger Stellwerk. Ronen Steinke, Autor des gleichnamigen Buches, erklärte, wie er als junger Jurastudent zu diesem Thema kam. Er las einige Passagen daraus vor und beschrieb die allgemeine politische Stimmung in Deutschland zur Zeit Fritz Bauers. Die rund 50 Besucher waren von seinen Ausführungen sehr angetan und neugierig auf weitere Informationen, sodass nach der anschließenden Diskussion die mitgebrachten Bücher reißenden Absatz fanden.
Oksan Karakus (links) führte durch die Veranstaltung, die vom Arbeitskreis Rechtsextremismus und Rassismus der SPD Harburg, der Humanistischen Union e.V. Hamburg sowie dem Fachschaftsrat Rechtswissenschaft der Universität Hamburg unterstützt wurde.

Die letzte Veranstaltung der diesjährigen Harburger Gedenktage fand am 27.11. im Haus der Kirche statt. Mit tatkräftiger Unterstützung des Weltladens Harburg konnte die Initiative Gedenken in Harburg rund 30 Personen begrüßen, die sich für den Film "Der Hauptmann von Muffrika" interessierten. Nachdem Heike Watermülder von der Initiative mit ihren einleitenden Worten hervorragend auf das Thema eingestimmt hatte und der eindrucksvolle Film gezeigt war, stand der anwesende Regisseur Paul Meyer noch für viele Fragen zur Verfügung.

Das war ein gelungener Abschluß der Harburger Gedenktage 2019