Harburger Gedenktage 2018

 

Im Vorfeld zu den Harburger Gedenktagen 2018 wurden die Gedenkstätten auf dem Jüdischen Friedhof und am Synagogenmahnmal einer gründlichen Reinigung unterzogen...

     

  

...bis sich alles wieder in angemessenem Zustand befand. Der "Wildwuchs" am Synagogenmahnmal wurde inzwischen durch die Abteilung STADTGRÜN erfolgreich bekämpft.

Am 30.10. wurde mit vereinten Kräften die Anne-Frank-Ausstellung in der Harburger Bücherhalle aufgebaut


darüber später mehr.

Die Auftaktveranstaltung der Harburger Gedenktage 2018 fand am 1. November wieder im großen Sitzungssaal des Harburger Rathauses statt.
Auch das gehört zu den selbst übernommenen Aufgaben der Initiative Gedenken in Harburg: der Sitzungssaal musste komplett umgebaut werden. Wo sonst die Abgeordneten an Tischen sitzen, wurden jetzt viele Sitzmöglichkeiten benötigt.

 

und die waren gut besetzt

Foto: Jürgen Marek

Der aktuelle Sprecher der Initiative Gedenken in Harburg, Klaus Barnick, (rechts) führte durch die Veranstaltung. Sein Vorgänger Klaus Möller stellte den geplanten Stolpersteinrundgang vor.

Die neue Bezirksamtsleiterin, Frau Sophie Fredenhagen,

Foto: Jürgen Marek

war die Hauptrednerin des Abends. Sie betonte, dass der Einsatz gegen das Vergessen auch und gerade in der heutigen Zeit außerordentlich wichtig ist.

Anschließend stellten Vertreter*innen der beteiligten Kulturträger ihre Projekte für die Harburger Gedenktage 2018 vor und versammelten sich schließlich zu einem Gruppenbild.

Foto: Jürgen Marek

 

Die Eröffnung der Ausstellung "Anne Frank - Lasst mich ich selbst sein"  am 2. November wurde  von Frau Ute Hatzel und Schülerinnen und Schülern der Goethe-Schule-Harburg musikalisch begleitet

die Leiterin der Bücherhalle Harburg, Frau Anke Zumdohme, begrüßte die zahlreich erschienen Gäste

darunter auch der Stellvertretende Leiter des Bezirksamtes, Herr Dierk Trispel.

Dieser übermittelte eine Grußbotschaft des Bezirksamtes, das auch in diesem Jahr die Initiative Gedenken in Harburg bei der Gestaltung der Gedenktage - zusammen mit der Bezirksversammlung Harburg - finanziell unterstützt.

Am 3. November trat das Klotz-Quintett in der Michaelis-Kirche in Neugraben auf.

Foto: Walter Marsand

Ihr Thema war die Swing-Jugend in Wilhelmsburg 1943.  Im Wechsel mit Anke Krahe

 Foto: Walter Marsand

verlas der Sprecher des Süderelbe-Archivs, Stephan Kaiser,

Fotos: Walter Marsand

Zeitzeugenberichte aus Wilhelmsburg und Neugraben. Die hervorragenden Jazz-Arrangements zwischendurch ließen die rund 50 Zuhörer begeistert mitswingen.

 Im Rahmen des Harburger Kulturtags fand am 4. November ein Rundgang zu Stolpersteinen für Harburger Opfer des Nationalsozialismus statt. An 5 Stationen wurden die - erfreulich zahlreich erschienenen - Zuhörer*innenvon Mitgliedern der Initiative Gedenken in Harburg auszugsweise über das Schicksal der Opfer informiert. Wer mehr darüber wissen möchte, findet ausführliche Biografien auf der Website www.Stolpersteine-Hamburg.de.

Eine sehr eindrucksvolle und ergreifende szenische Lesung mit Musikbegleitung präsentierten Schüler*innen des Helmut-Schmidt-Gymnasiums am 8. November im Rieckhof. Ihr Thema war Völkermord im und nach dem Holocaust

Das Kriegerdenkmal an der Reiherstieg-Kirche in Wilhelmsburg war am 9. November das Thema einer Lesung mit dokumentarischen und literarischen Texten in der HonigfabrikViele der rund 30 Besucher*innen beteiligten sich anschließend an einer lebhaften Diskussion über den Umgang mit dem Denkmal.
Veranstalter war die Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen.

Alljährlich am 10. November ruft die Initiative Gedenken in Harburg zum Gedenken an die Progromnacht 1938 auf. Trotz des Regens waren mehr als 60 Personen auf dem Jüdischen Friedhof anwesend und hörten die Reden zum Jahrestag von Frau Sophie Fredenhagen, Bezirksamtsleiterin und Frau Anne Arnholz, Pastorin an der  St. Paulus-Kirche in Harburg. Wie jedes Jahr folgte ein Schweigemarsch zum Synagogenmahnmal, wo  die Vorsitzende der Bezirksversammlung Harburg, Frau Birgit Rajski, ihre Gedanken zum Tagesthema aussprach. Den Abschluß bildete Klaus Barnick, Sprecher der Initiative Gedenken in Harburg, der neben dem Appell "Nie wieder" - wie schon die Rednerinnen vor ihm - mit Sorge auf die aktuelle politische Entwicklung hinwies.

Am 15.11. trug der Historiker Peter Offenborn im Kulturhaus Süderelbe seine
Erkenntnisse über die Ausbildung jüdischer Jugendlicher für den Einsatz in Kibbuzim im damaligen Palästina vor. Rund 30 Zuhörer*innen folgten interessiert seinen Ausführungen, in denen er einen weiten Bogen über die politische Entwicklung vom 18. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre schlug. Eine der Ausbildungsstätten - das Shalom-Haus - befand sich wenige hundert Meter vom Veranstaltungsort in Neugraben.

 

Am 16.11. zeigte der Verein welt*RAUM e.V. in der Sauerkrautfabrik das Filmdrama "Nackt unter Wölfen", das unter der Regie von Philipp Kadelbach nach dem gleichnamigen Roman von Bruno Apitz in Szene gesetzt wurde. Hier waren mehr als 50 Besucher erschüttert von der Geschichte aus dem Konzentrationslager Buchenwald.
Da vor Ort nicht fotografiert werden darf, gibt es ausnahmsweise keine Bilder von der Veranstaltung.

In der Bücherhalle Harburg las am 19.11. die Autorin Anja Tuckermann aus ihrem Buch "Wir schweigen nicht! Der Weg der Weißen Rose in den Widerstand".
Leider folgten die rund 40 Schüler*innen dem Vortrag nicht immer mit der angemessenen Aufmerksamkeit

Ebenfalls am 19.11. trug der ehemalige Hamburger Polizeipräsident Wolfgang Kopitzsch in der Pausenhalle des Friedrich-Ebert-Gymnasiums die Ergebnisse seiner Forschung über Hamburger Polizisten als Täter im Holocaust vor. Rund 50 Zuhörer*innen folgten gebannt seinen interessanten und spannenden Ausführungen und beteiligten sich rege an der anschließenden Diskussion.

Am 20.11. hatten Mitglieder des Weltladen Harburg zu einem Vortrag mit dem Titel "Wir sind doch keine Rassisten!" eingeladen. Der Geschichtslehrer am Stader Athenaeum Dennis Röder
brachte manche Zuhörer*innen zum Nachdenken darüber, wo im Alltag die nicht immer klar zu erkennenden Grenzen zum Rassismus überschritten werden.

34 Personen nahmen am 24.11. an einer von der Initiative Gedenken in Harburg angebotenen Exkursion zur Gedenkstätte Bergen-Belsen teil.

In zwei Gruppen aufgeteilt wurden Sie von außergewöhnlich sachkundigen Mitarbeitern der Gedenkstätte über die Geschichte des Lagers informiert und konnten sich anschließend beim Gang über einen kleinen Teil des riesigen Geländes einen Eindruck verschaffen.

 Am Gedenkstein für Anne Frank und ihre ältere Schwester Margot, die beide hier im Lager ums Leben kamen, wurden die Anwesenden noch einmal über das traurige Schicksal der Familie Frank informiert. Lediglich Vater Otto Frank überlebte den Aufenthalt in verschiedenen Konzentrationslagern.
Auf der Rückfahrt verlasen Tina Barnick-Radke und Heike Watermülder Texte von zwei Frauen, die das Grauen in Bergen-Belsen überlebt hatten, und Heiner Schultz berichtete über das Schicksal einer weiteren Überlebenden.

Alle Mitreisenden zeigten sich sehr angetan von der sehr informativen und gut organisierten Exkursion.

Am 27.11. trafen sich mehr als 40 Gäste im Herbert-Wehner-Haus, um Heidi Leuteritz' Bericht über den Lebensweg ihres Vaters zu hören. Die Veranstaltung trug den Titel "Vom Maurergesellen zum Parlamentspräsidenten - dann kamen die Nazis" und wurde von den Anwesenden mit viel Applaus bedacht.v.l.n.r. Margrit Rüth, Heidi Leuteritz, Sören Schumacher (Foto: Tom Miller)

Mit Stolz und Freude konnten die Veranstalter des Roten Sessel inzwischen verkünden, dass die anschließende Sammlung genügend Mittel für die Finanzierung eines weiteren Stolpersteins erbrachte. Nach nochmaliger Überprüfung der Unterlagen konnte festgestellt werden, dass es bereits der sechste Stolperstein sein wird, den die Besucher*innen des Roten Sessel finanzierten.

Die letzte Veranstaltung der Harburger Gedenktage 2018 fand am 28.11. in der Harburger Fischhalle statt, die der Eigner Werner Pfeifer dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hatte.
In einer szenischen Lesung trugen Mitglieder und Freunde der Geschichtswerkstatt Harburg Auszüge aus Vernehmungsprotokollen der Gestapo vor. Obwohl die befragten Zeugen und Beschuldigten ihre Aussagen notwendigerweise in "Protokolldeutsch" vortragen mussten, wurde den rund 80 Zuhörer*innen dramatisch deutlich gemacht, wie leicht man damals in die Mühlen der NS-Justiz geraten konnte. Die Pausen zwischen den einzelnen "Vernehmungen" wurden von Ulrich Kodjo Wendt mit seinem Diatonischen Knopfakkordeon gefühlvoll gefüllt.
Das war ein würdiger Abschluss der diesjährigen Harburger Gedenktage.

Wer es bisher nicht einrichten konnte, hatte noch bis einschließlich 1.12. die Gelegenheit, die sehenswerte Ausstellung "Lasst mich ich selbst sein" - Anne Franks Lebensgeschichte in der Harburger Bücherhalle zu besuchen. Eine Gruppe von acht Mitgliedern und Freund*innen der Initiative Gedenken in Harburg hatte am 30.11. Gelegenheit, eine exklusive Führung durch die Ausstellung zu erleben. Obwohl die meisten von ihnen die Ausstellung mit aufgebaut hatten und die traurige Geschichte der Anne Frank gut kannten, gelang es den beiden Schülerinnen der Stadtteilschule Süderelbe Rima (links) und Anna, ihnen zusätzliche Erkenntnisse zu vermitteln und sie didaktisch sehr gut in den "Unterricht" einzubeziehen. Noch einmal vielen Dank an die Beiden und an die Lawaetz-Stiftung, die sie so gut vorbereitet hatte.

 

 

 

Ältere Beiträge

 

Gedenkveranstaltung anlässlich der Verlegung und Einweihung von 24 neuen Stolpersteinen

Am 26. September 2018 fand die Gedenkveranstaltung anlässlich der Verlegung und Einweihung von 24 neuen Stolpersteinen für die Opfer des Nationalsozialismus im Harburger Veranstaltungszentrum Rieckhof statt.

Zum musikalischen Auftakt sang der Chor der Oberschule Neu Wulmstorf das alte italienische Partisanenlied "Bella Ciao"

Die Begrüßung der Gäste und Führung durch das Programm oblag Klaus Barnick, aktueller Sprecher der Initiative Gedenken in Harburg

Klaus-Peter Lehmann, Gründungsvater der Initiative Gedenken in Harburg und ihr Sprecher von 1998 bis 2005 zeigte sich beeindruckt von den erfolgreichen Aktivitäten der Gruppe

Klaus Möller, Sprecher der Initiative von 2008 - 2016 referierte über die 24 neuen Stolpersteine in Harburg

Anschließend stellte Gabriele Bock als Vertreterin der Schulleiterin die Oberschule Neu Wulmstorf die mit dem Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" geehrte Schule vor, die sich schon seit längerem mit dem Thema "Stolpersteine" befasst und die Initiative Gedenken in Harburg als Paten gewonnen hat.

Eine emotionale und bewegende Gedenkrede hielt der Neu Wulmstorfer Pastor
Dr. Florian Schneider

Der Wortlaut dieser Rede ist unter diesem Link zu finden.

Als die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Neu Wulmstorf  - die anläßlich eines Adventmarktes Geld für 10 Stolpersteine gesammelt haben  - und des Regionalen Bildungs- und Beratungszentrums Harburg (RBBZ) - die ihr Preisgeld vom Bertini-Preis 2016 für die Finanzierung von 4 Stolpersteinen gespendet haben - die Namen und Lebensdaten der Harburgerinnen und Harburger verlasen, für die die neuen Stolpersteine verlegt wurden,
erhoben sich alle Anwesenden von ihren Plätzen.

Den musikalischen Abschluss bildete wieder der Chor der Oberschule Neu Wulmstorf mit "Lost Boy".

Anschließend wurde in der Lüneburger Straße 2 der Stolperstein für Elsa Traub

unter großer Beteiligung feierlich enthüllt.

                               
                                Foto: Hans-Hermann Wacker

 

Gunter Demnig war wieder in Harburg

Am 21. September 2018 berichtete Gunter Demnig den ca. 50 interessierten Zuhörern im Gemeindesaal der Trinitatis-Kirche über den langen Entwicklungsweg bis zu der fertigen Idee der Stolpersteine 

Gleich am nächsten Morgen war er mit Material für alle Anforderungen Ecke Harburger Schlossstr./Karnapp, um den ersten Stolperstein des Tages für Karl Prignitz zu verlegen.

 

 

 

 

 


Und er hatte noch viel vor, wie der Blick in seinen Laderaum offenbarte.

Mit viel Einsatz und schwerem Gerät bereitete er die Orte vor, an denen die Stolpersteine liegen sollten. Dazu mussten teilweise ca. 8cm dicke Betonplatten geteilt werden.

Das ging nicht ohne Lärm    ab und natürlich auch nicht ohne Staub

Nur an einem Ort konnten gleich zwei Stolpersteine auf einmal eingebettet werden

für Marie und Munisch Hoffmann.

Für alle anderen Verlegungen musste alles wieder eingeladen werden, am nächsten Standort ein Parkplatz gesucht und das Werkzeug wieder ausgeladen werden usw. usw.

Das führte letztlich dazu, dass nicht alle 24 neuen Stolpersteine an einem Tag verlegt werden konnten.
Die übriggebliebenen Steine wurden am 29. September an Ihren Platz gebracht.

 

Gedenkveranstaltung zum 73. Jahrestag des Kriegsendes

An den Gedenkveranstaltungen zum 73. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung der Konzentrationslager nahmen an den Zeitzeugengesprächen auch zwei Überlebende des KZ-Außenlagers Falkenbergsweg in der Gedenkstätte Neuengamme teil. Hana Weingarten, geb. Wertheimerova und Edith Kraus, geb. Polach.

Edith Kraus wurde mit Ihren Eltern 1942 ins Ghetto Theresienstadt und von dort nach Auschwitz deportiert. Gemeinsam mit ihrer Mutter kam sie 1944 in die Neuengammer Außenlager Dessauer Ufer, Neugraben und Tiefstack und wurde am 15. April 1945 in Bergen-Belsen befreit. wo ihre Mutter nach der Befreiung starb. Edith kehrte nach Prag zurück und ging mit ihrem Mann und Kind nach Israel.
Nach einem anstrengenden Zeitzeugengespräch und Interwiev mit einer Fernsehjournalistin ruhte sie sich in Fischbek aus, um es sich in den Abendstunden nicht nehmen zu lassen, das Gelände des KZ-Außenlagers zu besuchen und den Stolperstein für ihre Mutter zum Glänzen zu bringen.

       

 

 

 

 

Neu-Wulmstorfer Schule setzt Maßstäbe!

Die Neu-Wulmstorfer Realschule Vierkaten hat für einen neuen Höhepunkt im Zusammenwirken mit der 'Initiative Gedenken in Harburg' gesorgt. In einer beispielhaften Aktion wurde genügend finanzielle Mittel gesammelt, um die Kosten für 10 Stolpersteine zu decken. Diese werden voraussichtlich im September 2018 durch Gunter Demnig verlegt.

Über die Aktivitäten und die symbolische Übergabe des Schecks am 24. Januar 2018 berichtet die Schulleiterin Anja Krippner:

"Dank des großartigen Engagements unserer Schüler, Eltern und Lehrkräfte war der Weihnachtsbasar am 30.11.2017 ein großer Erfolg. Insgesamt wurden beim Basar 1200 Euro erwirtschaftet, so dass unsere Schule nun für 10 Stolpersteine die Patenschaft übernehmen kann, um an weitere Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Zehn unserer Schüler haben während der "Feierstunde" die Namen der zehn Opfer vorgelesen. Dank der akribischen Recherche unserer Schulpaten " Schule ohne Rassismus -Schule mit Courage" von der Initiative Gedenken in Harburg wurden weitere Kurzbiografien von zehn Harburger Opfern erstellt, so dass sie nun nicht mehr in Vergessenheit geraten. Das großartige Stolpersteinmodell von Herrn Möller (Initiative Gedenken in Harburg) hat seinen Platz inzwischen gefunden. Die Schülerinnen und Schüler, die unter der Leitung unserer Lehrkraft Frau Jessica Kötke für unsere Versorgung gesorgt haben, sind auch auf den Fotos zu sehen. Die Vertreterinnen und Vertreter der "Initiative Gedenken in Harburg" sprachen uns ihre Anerkennung für unser Engagement aus und überreichten der Schule das Stolpersteinmodell, die Namen von 10 Harburger Opfer des Nationalsozialismus und eine Mappe mit den Ergebnissen ihrer biografischen Recherchen zu den Lebensgeschichten dieser ermordeten Menschen."

 

Auch das Buxtehuder Tageblatt widmete diesem Ereignis einen größeren Artikel,
  der jedoch online (noch) nicht vorliegt.

Die online-Zeitung Harburg-Aktuell.de brachte ebenfalls einen ausführlichen Bericht.

Wir von der 'Initiative Gedenken in Harburg' freuen uns auf weitere erfolgreiche Projekte mit der Realschule Vierkaten, die auf ihrer Website mit berechtigtem Stolz von ihrem Erfolg berichtet

 

Verdiente Ehrung für Neu-Wulmstorfer Schule

Der Neu-Wulmstorfer Realschule Vierkaten, mit der die "Initiative Gedenken in Harburg" schon einige gemeinsame Projekte (siehe auch weiter unten) realisieren konnte, wurde eine besondere Ehre zuteil.

Aber lassen wir die Schulleiterin Anja Krippner selbst berichten:

Am 30.11.2017 wurde unserer Schule der Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ verliehen. Der Vertreter der Landeskoordination Niedersachsen Herr Dr. Kaufmann bekräftigte in seiner Rede noch einmal die Wichtigkeit des Projekts. Besonders freuen wir uns, dass wir die Initiative Gedenken in Harburg als Projektpaten gewonnen haben. Der Musiker Martin Rietsch (mit seiner Gruppe 2schneidig, Anm.d.Red.) gestaltete musikalisch unser Rahmenprogramm und berichtete über eigene Erfahrungen. Ein spezieller Dank geht an unsere Pausenengel, die sich intensiv und engagiert dafür eingesetzt haben, dass unsere Schule die Auszeichnung erhalten konnte.

Dem hat der Chronist nichts hinzuzufügen - außer, dass auch die vier anwesenden Mitglieder der "Initiative Gedenken in Harburg" von dieser Veranstaltung sehr beeindruckt waren. Wir werden die Schule auch bei künftigen Projekten - im Rahmen unserer Möglichkeiten - gern unterstützen.

Foto: 2schneidig

Nach der feierlichen Verleihung versammelten sich alle Beteiligten zu einem Gruppenbild im Oktagon.

 

 

Eröffnung der Harburger Gedenktage 2017

Am 3.11.2017 wurden im großen Sitzungssaal des Harburger Rathauses die diesjährigen Harburger Gedenktage feierlich eröffnet. Sie stehen unter dem Motto "Erinnern für die Zukunft". Erstmals konnten zahlreiche Harburger Schulen und Kulturträger zur Teilnahme an den Gedenktagen gewonnen werden.

                                

Als Sprecher der "Initiative Gedenken in Harburg", die mittlerweile zum 20. Mal die Harburger Gedenktage organisiert, begrüßte Klaus Barnick die zahlreich erschienenen Gäste


Foto: Jürgen Marek                                                                                     

und führte durch die Veranstaltung.

Birgit Rajski, die Vorsitzende der Harburger Bezirksversammlung

Foto: Jürgen Marek
Foto: Jürgen Marek

eröffnete die Harburger Gedenktage 2017 und verlas die Rede des Bezirksamtsleiters Thomas Völsch, der aufgrund anderweitiger Verpflichtungen nicht persönlich anwesend sein konnte.

Der erste Programmpunkt war eine szenische Collage nach literarischen Vorlagen von Basheva Dagan und Wolfgang Borchardt mit dem Titel "Sag:"Nein!"",

                               

die von Schülerinnen und Schülern des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums engagiert und eindrucksvoll vorgetragen wurde.
                                

Weit über hundert interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer folgten den Vorstellungen der verschiedenen Veranstaltungen, die in diesem Jahr das Programm der Harburger Gedenktage prägen: Lesungen, Vorträge, Diskussionen, Filme, Ausstellungen, Stadtteilrundgänge, eine Busexkursion zur Gedenkstätte Lager Sandbostel sowie eine antifaschistische Soliparty.
Die Gedenkkundgebung auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg und am Synagogenmahnmal in der Eißendorfer Straße am Jahrestag der Harburger Pogromnacht wird auch in diesem Jahr der Schwerpunkt der Harburger Gedenktage sein.

                                

 Das musikalische Rahmenprogramm wurde gestaltet von

Fotos: Jürgen Marek

Henrika Graßau am Cello und Christoph Posselt am Flügel vom Friedrich-Ebert-Gymnasium

 sowie von einem Klezmer-Musikensemble

Foto: Jürgen Marek

 von Schülern und Lehrern des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums.

Es war eine sehr gelungene und würdige Veranstaltung. Die "Initiative Gedenken in Harburg" dankt allen Mitwirkenden und hofft, für ihre Arbeit weiterhin so viel Unterstützung zu finden.

Stolpersteinrundgang

Im Rahmen des Harburger Kulturtages wurde am 4. November ein Stolperstein-Rundgang durchgeführt, der mit rund 30 Teilnehmern erfreulich viel Resonanz fand


Hanno Billerbeck berichtet vom Schicksal der Familie Daltrop,
für die am Großen Schippsee 3 Stolpersteine verlegt wurden

 

Lesung in der "Fischhalle"

In einer gemeinsamen Veranstaltung der Geschichtswerkstatt Harburg und der "Initiative Gedenken in Harburg" las der Zeitzeuge Claus Günther aus seinem Buch "Heile, heile Hitler"


Claus Günther hier mit Klaus Barnick, der bei beiden Veranstaltern engagiert ist

Für seine Texte und den temperamentvollen Vortrag erhielt Claus Günther, dem man seine 86 Jahre kaum glauben mag,

von den zahlreich erschienen Zuhörern viel Beifall. Es war eine sehr eindrucksvolle Lesung.

Autorenlesung in der Bücherhalle Harburg

Die Bücherhalle Harburg unterstützt seit Jahren die "Initiative Gedenken in Harburg" bei der Gestaltung der Harburger Gedenktage durch Ausstellungen und Lesungen. Am 9.11.2017 war hier die Autorin Dagmar Fohl zu Gast, die aus ihrem Buch 'Alma' einige Kapitel las. In diesem Buch lässt sie den fiktiven Hamburger Musikalienhändler Aaron Stern seine leidvollen Erlebnisse während der Herrschaft der Nationalsozialisten berichten.

Mehr als 30 Zuhörer folgten gebannt der Lesung, die von dem NDR-Kulturredakteur Jürgen Deppe kenntnisreich moderiert wurde.

Gedenken an die Pogromnacht

Die zentrale Gedenkveranstaltung der Harburger Gedenktage findet alljährlich am 10. November statt.

Trotz des widrigen Wetters hatten sich mehr als 50 Personen auf dem Jüdischen Friedhof eingefunden und hörten die Ansprache der Pröbstin Carolyn Decke. Im Anschluß daran verlas Fritz Gärmer, Mitglied der "Initiative Gedenken in Harburg", die Rede des Bezirksamtsleiters Thomas Völsch, die dieser krankheitsbedingt nicht selber halten konnte.
Der anschließende Schweigemarsch endete am Synagogenmahnmal, an dem die Blumengebinde des Bezirksamtes, der Bezirksversammlung sowie der "Initiative Gedenken in Harburg" niedergelegt wurden. Die Vorsitzende der Bezirksversammlung, Birgit Rajski, erinnerte in ihrer Rede an die Entstehungsgeschichte dieses Mahnmals.

                            

In seiner abschließenden Rede betonte auch Klaus Barnick, Sprecher der "Initiative Gedenken in Harburg", dass wir aus der Vergangenheit lernen müssen, denn auch heute werden wieder Menschen wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt.

Durchs Reiherstiegviertel auf den Spuren der Stolpersteine

Die Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen beteiligte sich am 11. November mit einem Stolpersteinrundgang an den Harburger Gedenktagen 2017.


Die Veranstalter zählten 25 Teilnehmer, die trotz strömenden Regens dem vorgesehenen Rundgang folgten. Die Lebens- und Leidensgeschichten der Opfer konnten dann im Trockenen verlesen werden, da einer der Teilnehmer Zugang zu den "Zinnwerken" hatte.

Das Erinnerungsprojekt

 Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 P des Regionalen Bildungs- und Beratungszentrums (ReBBZ) Harburgs führten durch die Ausstellung ihres beeindruckenden Projekts, für das sie in 2016 zu Recht mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet wurden.

Widerstand und Verfolgung in Harburg und Wilhelmsburg - Zeugnisse und Berichte 1933 - 1945

Am 16. November stellte Herr Dr. Christian Gotthardt im BGZ Süderelbe die neuesten Erkenntnisse aus seinen Archivrecherchen einem interessierten Publikum von rund 40 Personen vor. (Bilder von dieser Veranstaltung liegen dem Berichterstatter leider nicht vor).

Gedenkstätte Lager Sandbostel (STALAG X B)

Am 18. November wurde eine Busexkursion - organisiert durch VVN/BdA - nach Sandbostel durchgeführt.
Nachstehend Auszüge aus dem Bericht einer Teilnehmerin:"Wir waren insgesamt 22 TeilnehmerInnen, die durch Andreas Ehresmann, Leiter der Gedenkstätte auf beeindruckende und sehr interessante Weise einen tiefen Einblick bekommen haben in die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel, das im Laufe der wechselvollen Zeit aber auch als Lager für KZ Häftlinge aus Neuengamme gedient hat..."..."Nach einer umfangreichen Einführung hatten wir ca. eine 3/4 Stunde Zeit, um dort die Ausstellung zu sehen. Anschließend ging es zum Lagerfriedhof, der bezeichnenderweise immer noch als Kriegsgräberstätte benannt wird. Auch hier ließ uns Herr Ehresmann das kalte Wetter und den Regen vergessen durch seine interessanten Informationen, ohne die sich der Lagerfriedhof nicht verstehen lässt."

Weitere Informationen über STALAG X B sind im Flyer zu den Harburger Gedenktagen 2017 zu finden.

Die Wehrmachtsausstellung

Die KulturWerkstatt Harburg e.V. hatte in Kooperation mit dem Friedrich-Ebert-Gymnasium zu einem Vortrag von Hannes Heer eingeladen. Rund 80 Gäste konnten am 23. November in der Pausenmehrzweckhalle nach Überwindung anfänglicher technischer Probleme einem engagierten und spannenden Vortrag folgen. Hannes Heer schilderte die kontroversen Diskussionen, die von dieser Ausstellung (Originaltitel: „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“) ausgelöst worden waren. Obwohl die wissenschaftlichen "Unschärfen" marginal im Vergleich zum Gesamtumfang der Ausstellung waren, wurde diese schließlich zurückgezogen und später durch eine weniger kritische ersetzt.

Im Anschluss an den Vortrag entspann sich noch eine interessante Diskussion.
Es war ein sehr gelungener Beitrag zu den Harburger Gedenktagen 2017.

Lesung aus dem Roten Sessel der SPD Harburg

Die letzte Veranstaltung der Harburger Gedenktage 2017 fand im Herbert-Wehner-Haus statt. Mehr als 30 Zuhörer lauschten gebannt der Lesung von Fritz Gärmer über die Lebens- und Leidensgeschichte des Ehepaares Lyda und Edwin Geist. Der Rote Sessel beteiligt sich seit einigen Jahren an den Harburger Gedenktagen. Aus Spenden dieser Veranstaltungen konnten bisher 4 Stolpersteine finanziert werden. Am 29. November kamen - wie von den Veranstaltern erhofft - genügend Spenden für einen 5. Stolperstein hinzu, der im Laufe des nächsten Jahres verlegt werden wird.
Die "Initiative Gedenken in Harburg" dankt allen Spendern und dankt insbesondere Fritz Gärmer für seinen hervorragenden Vortrag.

 

 

Ältere Beiträge

 

Eine Stolperstein-Rallye mit Neu Wulmstorfer Schülerinnen und Schülern

 Am 13. Juni 2017 kreuzten sich in Harburg zwei „Stolperstein-Ereignisse“: Pünktlich um 9.00 Uhr traf der Kölner Künstler Gunter Demnig in der Bremer Straße ein, um den ersten für diesen Tag geplanten Stolperstein für BERL LÖWI vor dem Haus Nr.3 zu verlegen. Drei weitere Stolpersteine für GERTRUDE GRÜNFELD, ELFRIEDE HORWITZ und KURT HORWITZ wurden anschließend in der Harburger Rathausstraße vor Haus Nr. 45 in den Fußweg eingebettet, bevor es zum Reeseberg 104 ging, wo der nunmehr 207. Stolperstein auf Harburger Gebiet für EHRENFRIED DIERS verlegt wurde.
Zur gleichen Zeit trafen sich vor dem Harburger Rathaus 30 Schülerinnen und Schüler der Realschule Vierkaten in Neu Wulmstorf, um zu einer Stolperstein-Rallye aufzubrechen, die zwischen ihren Lehrern, Herrn Hövekenmeier und Herrn Dudda und der „Initiative Gedenken in Harburg“ verabredet worden waren. Dadurch ergab sich die seltene Gelegenheit,
direkt eine Stolperstein-Verlegung mitzuerleben und den „Vater“ von mehr als 50.000 in Europa verlegten Stolpersteinen aus der Nähe und bei der Arbeit zu sehen.
Zu jedem neu verlegten Stolperstein wird eine Rose gelegt; gibt es an gleicher Stelle schon einen oder mehrere Stolpersteine, werden diese geputzt und bekommen ebenfalls eine Rose.

Anschließend teilten sich die Schülerinnen und Schüler in 8 Gruppen auf, um insgesamt 131 Stolpersteine zu finden, zu putzen, zu fotografieren und zu protokollieren.

Um 12.00 Uhr trafen sich alle Beteiligten im Haus der Kirche für eine erste „Manöverkritik“.
Es stellte sich heraus, dass ein Stolperstein – vermutlich bei Straßenbauarbeiten – ganz verschwunden war und dass andere so stark verschmutzt waren, dass sie von der Umgebung kaum zu unterscheiden waren.
Die Mitglieder der „Initiative Gedenken in Harburg“ waren begeistert vom Engagement der Schülerinnen und Schüler. Wir hoffen, dass sich auch im kommenden Schuljahr wieder Lehrer finden, die ein solches Projekt unterstützen. 


Ein Blick in den Materialwagen von Gunter Demnig zeigt, dass er für den 13. und 14.Juni noch viel Arbeit vor sich hatte.
Gelegentlich sind die Stolpersteine so perfekt verlegt, dass für neue Nachbarsteine schweres Gerät

eingesetzt werden muss. Aber zum Schluss sieht alles wieder so aus, dass man nur mit den Augen
stolpert.